Schulabbrecher

Viele Schul- und Ausbildungsabbrecher entscheiden sich im zweiten Bildungsgang für eine berufliche Bildung

Einer Studie des Europäischen Zentrums für die Förderung der Berufsbildung (CEDEFOP) zufolge entschieden sich Lernende, die zuvor ihre (allgemeine oder berufliche) Ausbildung abgebrochen oder einen anderen Lernweg eingeschlagen haben und infolgedessen zum zweiten Mal einen Bildungsgang beginnen, oft für die berufliche Bildung. Dieser Qualifizierungsweg bietet Programme für weniger erfolgreiche Studierende, aber auch für diejenigen, die einen nicht-akademischen Weg bevorzugen; vielen jungen Menschen wird eine (zweite) Chance auf einen Abschluss, der zu einem Arbeitsplatz führt, geboten. Der Studie zufolge wählt ein Drittel der Personen, die im Sekundarbereich II aus dem Bildungssystem ausscheiden, anschließend einen beruflichen Bildungsgang und erwirbt letztlich eine Qualifikation des Sekundarbereichs II oder eine postsekundäre Qualifikation.

Eines der Kernziele von Europa 2020 lautet, die durchschnittliche Schulabbrecherquote in der EU auf unter 10% zu senken.

Deutschland und Luxemburg orientieren sich in ihren nationalen Zielen an der EU-Vorgabe; Belgien und Frankreich wollen diese mit Zielwerten von 9,5% nochmals unterschreiten.

Im Jahr 2019 zählten 10,1% der 18- bis 24-Jährigen in der Großregion zu der Gruppe der frühen Schul- und Ausbildungsabgänger.

Dieser Wert liegt unter dem europäischen Durchschnitt von 10,3% und hat das europäischen 10%-Ziel quasi erreicht. Dies ist zwar ermutigend, bedeutet aber, dass jeder zehnte junge Mensch heute noch Schwierigkeiten hat, seine Ausbildung fortzusetzen oder sich nachhaltig und qualitativ in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Im interregionalen Vergleich nehmen Rheinland-Pfalz (11,6%) und das Saarland (11,7%) die negativen Spitzenpositionen ein. Diese hohen Zahlen könnten z. T. auch mit den Besonderheiten des deutschen Ausbildungssystems zusammenhängen, in dem für eine qualifizierte Berufsausbildung nicht unbedingt ein Abschluss der Sekundarstufe II erforderlich ist. In Lothringen und Luxemburg ist die Schulabbrecherquote mit 6,6% bzw. 7,2% besonders niedrig. Somit erfüllen diese beiden Teilregionen nicht nur das europäische Ziel für 2020, sondern auch ihre nationalen Ziele.

Frühe Schul- und Ausbildungsabgänger 2019

Anteil der 18- bis 24-Jährigen (in % der Bevölkerung im selben Alter), die sich nicht oder nicht mehr in (Aus-) Bildung oder Weiterbildung befinden und nicht über einen Abschluss des Sekundarbereichs II verfügen

Berechnungen: IBA·OIE | Quelle: Eurostat

An vorderster Stelle bei der Veränderungsrate seit 2011 liegt Lothringen mit -4,9 Prozentpunkten, gefolgt von der Wallonie mit -3,8 Prozentpunkten und dem Saarland (-3,6 Pp). Rheinland-Pfalz (-1,9 Pp) und Luxemburg liegen über dem großregionalen Durchschnitt, wobei Luxemburg sogar eine Zunahme (+1 Pp) der frühen Schulabgänger seit 2011 vermelden musste. Allerdings hat in Luxemburg die Abbrecherquote bei den jungen Frauen um 0,7 Prozentpunkte abgenommen, im Gegensatz zu der Zunahme bei den jungen Männern (+1,3 Prozentpunkte).

Die verfügbaren Daten lassen nicht erkennen, ob es sich um einen einfachen konjunkturellen Effekt oder einen sich abzeichnenden Trend handelt.

In allen anderen Teilregionen sind die Gewinne im Zeitraum von 2011 bis 2019 immer geringer (unter 5 Prozentpunkten oder sogar weit darunter), was darauf hindeutet, dass die Anstrengungen der einzelnen Länder zur Bekämpfung der Schulabbrüche Früchte getragen haben.

Es ist davon auszugehen, dass weitere Erfolge in diesem Bereich im Vergleich zu früheren Zeiträumen immer schwerer zu erzielen sind, da die noch verbleibenden Schulabbrecher sich in Problemlagen befinden, die zumindest zum Teil durch das soziale und politische, das Bildungs- und Wirtschaftssystem der einzelnen Länder bedingt und nur schwer zu beeinflussen sind.