Erwerbspersonenpotenzial

2050 wird die Altersgruppe der über 65-Jährigen 27,7% der Gesamtbevölkerung in der Großregion umfassen; 2015 war es knapp ein Fünftel.

Zahlenmäßig rückläufig entwickeln sich dagegen die Erwerbsbevölkerung und die nachrückenden Generationen: die Anteile der derzeit vorrangig im Erwerbsleben stehenden Altersgruppe der 20- bis unter 64-Jährigen und der unter 20-Jährigen werden von 59,8% bzw. 20,9% in 2015 auf dann 53,0% und 19,3% im Jahr 2050 abnehmen – eine Entwicklung, die durch das bisherige generative Verhalten bereits vorgezeichnet ist. Denn die geburtenstarken Jahrgänge wachsen mittlerweile aus ihrer reproduktiven Phase heraus und die nachfolgende Elterngeneration ist zahlenmäßig schwächer besetzt.

Projektion des Erwerbspersonenpotenzials bis 2050 bzw. 2060

Entwicklung der Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren von 2020 bis 2050 bzw. 2060 (2020 = 100)

Berechnungen: IBA·OIE | Quelle: Statistische Ämter der Großregion plus eigene Ergänzungen via STATBEL DEMOBEL

Mit dem sukzessiven Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge wird sich der rückläufige Trend des Erwerbspersonenpotenzials noch verstärken.

Die Deckung des zukünftigen Arbeitskräftebedarfs kann daher immer weniger über das Bevölkerungswachstum erfolgen, sondern bedarf – neben Zuwanderungsgewinnen – vor allem der zunehmenden Erwerbstätigkeit von Personengruppen, die bislang am Arbeitsmarkt unterrepräsentiert waren. Ob und in welchem Maße es gelingen wird, das heimische Arbeitskräftepotenzial durch die verstärkte Integration erwerbsloser Jugendlicher und die bessere Nutzung der Qualifikationen von Frauen, Migranten und älteren Menschen besser auszuschöpfen, wird entscheidend für die Bewältigung des demografischen Wandels sein. Dies gilt aus der Perspektive der Fachkräftesicherung ebenso wie mit Blick auf die Lastenverteilung der sozialen Sicherungssysteme. Denn zukünftig werden der Bevölkerung im Erwerbsalter immer mehr Personen gegenüberstehen, die nicht erwerbstätig sind.

Erwerbspersonenpotenzials und Gesamtbevölkerung der Großregion bis 2050

Entwicklung der Gesamtbevölkerung und der Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren in der Großregion von 2020 bis 2050 (2020 = 100)

Berechnungen: IBA·OIE | Quellen: Statistische Ämter der Großregion plus eigene Ergänzungen.

Bevölkerung der Großregion nach Altersgruppen 2000-2050

Anteil der Altersgruppen in % (Daten 2000 und 2015 sind Ist-Werte, ab 2020 Projektionsdaten)

Berechnungen: IBA·OIE | Quellen: Statistische Ämter der Großregion

Der Anteil der über 65-Jährigen in der Großregion ist zwischen 2000 und 2015 um 2,6 Prozentpunkte (von 16,6% auf 19,2%) gewachsen, es ist zu erwarten, dass diese Tendenz sich in den nächsten Jahren noch verstärken wird. Die Prognosen sagen für das Jahr 2050 einen Anteil von 27,7% der über 65-Jährigen an der großregionalen Bevölkerung voraus. Der Anteil der Jüngeren (unter 20 Jahre) nimmt im Gegenzug zwischen 2020 und 2050 um 1,4 Prozent-punkte ab; am drastischsten ist der Bevölkerungsrückgang jedoch bei den 20- bis 64-Jährigen, deren Anteil im gleichen Zeitraum um 5,7 Prozentpunkte fallen wird.

 

EVTL. hier noch Text und Grafik aus "Demographischer Wandel " (Indikator: Bevölkerungsprojektion der über 65-Jährigen 2020 bis 2050 bzw. 2060)

Oder eigenes "Kapitel"

Im Jahr 2050 wird fast jeder vierte Einwohner der Großregion 65 Jahre oder älter sein

Die für die Altersgruppe der über 65-Jährigen prognostizierte Entwicklung ist unter den Alters-gruppen einmalig und wird in der Großregion eine völlig neue Situation schaffen. Zwischen 2020 und 2050 gehen die Prognosen für die Großregion von einem Anstieg der über 65-Jährigen um rund 35% aus. Dieser starke Anstieg wird vor allem durch die Altersgruppe der über 80-Jährigen getragen, mit einem relativen Anstieg um rund 84% in dem beobachteten Zeitraum, also um über 600.000 Personen.

Allgemein wird die Zahl der über 65-Jährigen in allen Teilgebieten zunehmen, jedoch mit einigen Unterschieden: Die geringste Zunahme dürfte das Saarland verzeichnen, mit einem Plus von knapp 10%, also 23.000 Personen, wobei für das Saarland der Höhepunkt für das Jahr 2036 prognostiziert wird, danach sollen die Zahlen wieder deutlich zurückgehen. Ähnlich verhält es sich in Rheinland-Pfalz, das bis 2050 noch mit einem Zuwachs der genannten Altersgruppe von 28% rechnen kann (+256.255 Personen über 65 Jahren), allerdings fällt auch hier diese Kurve später dann ab, geschätzt 2038.

Luxemburg kann mit einem Zuwachs von 128% (+116.880 Menschen) bis 2050 rechnen, was sich bis 2060 sogar auf 173% auswachsen soll. Kräftige Anstiege dürften auch in der Wallonie und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgien zu beobachten sein, mit 41 bzw. 37%, also +278.500 bzw. +5.570 Personen. Ähnlich auch in Lothringen, bis 2050 sollen hier rund 162.700 mehr Bewohner im Alter von über 65 Jahren gemeldet werden, was einem Anstieg von 33,6% entspricht, Tendenz steigend wie auch in den vorherigen Teilregionen.

Erwerbspersonenpotenzials in Lothringen - besonders aber in den deutschen Regionen - im roten Bereich

Der demografische Wandel und die Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials betreffen nicht alle Teilregionen in gleicher Weise. Nach den Voraussagen wird sich das Saarland im Hinblick auf die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter im Jahr 2050 in der kritischsten Situation befinden. Im Vergleich zu 2020 wird es bis 2050 rund 23% seiner potenziellen Erwerbsbevölkerung verlieren. Für den Großteil von Rheinland-Pfalz gelten ähnliche Werte, die allerdings stark variieren zwischen sechs und 27 prozentigen Abnahmen. Die Ausnahmen sind die Gebiete entlang der Rheinschiene, wie die Städte Ludwigshafen und Mainz mit einem Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials von -6,3% bzw. -9%. Trier und Koblenz müssen mit einer Abnahme von über 12% rechnen. Für Rheinland-Pfalz als Ganzes wird bis 2050 ein Rückgang um die 17 Prozent erwartet.

Auch Lothringen muss sich auf einen Rückgang der Personen im erwerbsfähigen Alter einstellen, allerdings in etwas moderaterem Ausmaß (-11,1%). Für die Departements Meuse sowie Vosges wird eine regional überdurchschnittliche Abnahme erwartet (-19,4% bzw. - 21,4%).

Leichter Rückgang der Erwerbspersonen auch in der Wallonie erwartet

Das wallonische Erwerbspersonenpotenzial wird bis 2050 voraussichtlich um 2,2% leicht zurückgehen. In der Wallonie weisen die Prognosen nur für ein Drittel der Arrondissements einen Positivtrend aus. Auch die die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgien wird bis 2050 voraussichtlich mit Verlusten von 10,1% konfrontiert sein. Dem Arrondissements Bastogne (+14,6%) an der luxemburgischen Grenze sowie dem nördlicheren Waremme (+13,4%) werden eine überdurchschnittlich positive Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials prognostiziert.

Außergewöhnliche Steigerung des Erwerbspersonenpotenzials in Luxemburg erwartet

Mit einem Plus von voraussichtlich 32,8% ist das Großherzogtum Luxemburg die einzige Teilregion, die zwischen 2020 und 2050 eine deutliche Steigerung des Erwerbspersonenpotenzials verzeichnen kann (+131.210 Personen) – 2050 soll schließlich eine Zahl von rund 531.800 Personen im erwerbsfähigen Alter erreicht werden. Die Hauptursache hierfür liegt in der hohen wirtschaftlichen Attraktivität des Landes für Einwanderer, die schon seit Ende der 1980er Jahre von dem steigenden Arbeitskräftebedarf Luxemburgs angezogen werden. Die Multikulturalität und Mehrsprachigkeit des Landes verstärken diesen Trend auch zukünftig. Die ausländische Bevölkerung weist zudem eine höhere Geburtenrate auf als die einheimische und stabilisiert bzw. erhöht so auch das natürliche Bevölkerungswachstum. Die Alterung der Gesellschaft wird so abgeschwächt und Luxemburg wird auch in Zukunft wohl über eine relativ junge Bevölkerung mit einem sehr hohen Erwerbspersonenpotenzial verfügen können.

Karte des Erwerbspersonenpotenzials für die Großregion

Veränderung der Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahre, 2050 gegenüber 2020 in %

Berechnungen: IBA·OIE | Autor der Karte: GIS-GR / SIG-GR

Quellen: Rheinland-Pfalz: STLA RLP, 5. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung (mittleren Variante, Basisjahr 2017); Saarland: STLA SL/DESTATIS, 14. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung (Basis 31.12.2018, Variante W2); Luxembourg: STATEC / EUROSTAT, Projections de population (scénario principal); Lorraine: INSEE, Estimations  de population et Recensements de la population; INSEE, Projections de population départementales et régionales à l'horizon 2050 réalisées avec le modèle OMPHALE 2017 selon le scénario central; Wallonie / DG Belgien: STATBEL - DEMOBEL ; Perspectives de population 2020-2071