Eipendler aus Frankreich

Anzahl der Einpendler aus Frankreich weiterhin rückläufig

Mitte 2019 pendelten 16.230 Arbeitskräfte aus Frankreich täglich zu ihrem Arbeitsplatz im Saarland. Während sich der Trend 2015 mit einem leichten Anstieg der Zahl der französischen Grenzgänger im Saarland zum ersten Mal seit vielen Jahren (+1,1% gegenüber dem Vorjahr, d.h. 188 Personen) umkehrte, hat sich dieser positive Trend nicht fortgesetzt. So ist das Volumen dieses Einpendlerstroms seit 2016 weiter gesunken (-2,5%, d. h. ein absoluter Rückgang um 429 Personen). Dieser Rückgang wird hauptsächlich von typischen Grenzgängern (-271 Personen), weniger von den atypischen Grenzgängern mit deutscher Nationalität (-159 Personen) verursacht.

In den Jahren 2012 und 2013 verzeichnete das Grenzgängerwesen an der Saar noch starke Einbußen (-3,5% bzw. -4,0%). Die Rückgänge dieser Jahre erreichen demnach in etwa die Größenordnung von -4,1% auf dem Höhepunkt der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2009, als sowohl die Wirtschaft stark einbrach (-9,8%) als auch die Gesamtbeschäftigung im Saarland abnahm (-0,8%). Die hohen Minuswerte der Einpendlerströme aus 2012 und 2013 lassen sich nur bedingt über Arbeitsmarktdynamik erklären: die Zahl an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt stieg auf einem niedrigen Niveau weiter an (2012: +1,7%; 2013: +0,1%).

Der Blick auf die Grenzgängerzahlen früherer Jahre bestätigt, dass der Rückgang der französischen Einpendler nicht hinreichend über konjunkturelle oder kurzfristige Entwicklungen erklärt werden kann, sondern tiefer gehende Veränderungen stattgefunden haben müssen: Die Zahl an Einpendlern aus Frankreich ins Saarland geht bereits seit 2001 kontinuierlich zurück. Die Betrachtung der Entwicklung zwischen 2000 und 2019 weist einen Abbau des französischen Einpendlerstroms um 25% bzw. 5.299 Personen aus. Im gleichen Zeitraum hingegen hat die Gesamtanzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an der Saar um 10% zugelegt. Der Anteil der Grenzgänger an der Gesamtzahl an beschäftigten Arbeitnehmern im Saarland betrug im Jahr 2019 somit noch lediglich 4,1% (2000: 6%).

Darüber hinaus zeigt eine Analyse der Grenzgängerströme nach Geschlecht zwischen 2009 und 2019, dass der Rückgang der Ströme vor allem von Männern (-19,5%) als von Frauen (- 14,4%) getragen wird. Schließlich macht der Anteil der männlichen Grenzgänger nach wie vor einen großen Teil des Zustroms aus Frankreich aus und hat sich in den letzten 10 Jahren kaum verändert (63% im Jahr 2019 gegenüber 64% im Jahr 2009).

Im Saarland beschäftigte Grenzgänger aus Frankreich

Im Saarland beschäftigte Grenzgänger aus Frankreich 2000-2019 (jeweils zum 30.06.)

Berechnungen: IBA·OIE | Quelle: BA

Mehr als jeder vierte Grenzgänger aus Frankreich ist Deutscher

Bei der Betrachtung der Entwicklung des französischen Grenzgängerstroms ins Saarland sind die Unterschiede zwischen atypischen und typischen Grenzgängern zu berücksichtigen. Unter den einpendelnden Personen aus Frankreich befanden sich 2019 ca. 4.430 Deutsche. Diese sogenannten atypischen Grenzgänger machten somit 27,3% des Einpendlerstroms aus. Deren Anteil lag damit auch 10 Prozentpunkte höher als im benachbarten Bundesland Rheinland-Pfalz (17%). Dies lässt sich über eine lange Tradition der Wohnmigration im Gebiet um die saarländisch-lothringische Grenze erklären, deren Wurzeln bis zu Beginn der 1960er Jahre zurückreichen. Die grenzüberschreitende Wohnortmobilität nahm besonders in den 1990er Jahren kontinuierlich zu. Anlass für den Wohnortwechsel waren vor allem die attraktiven Grundstücks- und Immobilienpreise in Lothringen, welche auch erwerbstätigen Deutschen mit relativ geringem Einkommen die Möglichkeit boten, Wohneigentum mit relativ großer Fläche in einem eher dörflichen, erholsamen Lebensumfeld zu erwerben, von wo aus weiterhin der an-gestammte Arbeitsplatz in der Heimatregion erreicht werden kann. Neben der gut ausgebauten Straßeninfrastruktur und den finanziellen Vorteilen durch den Status als Grenzgänger wurde dieses grenzüberschreitende Mobilitätsmuster auch dadurch begünstigt, dass – zumindest damals – auf französischer Seite vielerorts noch der regionale germanophone Dialekt gesprochen wurde. Vor diesem Hintergrund hat sich die Zahl der Deutschen, die in Frankreich leben und im Saarland arbeiten, zu dieser Zeit stark erhöht. Seit 2011 ist jedoch festzustellen, dass sich von Jahr zu Jahr weniger Deutsche dafür entscheiden, auf der französischen Seite der Grenze zu wohnen, um in ihrem Herkunftsland zu arbeiten.

Atypische und typische Grenzgängerströme entwickeln sich unterschiedlich

Ohne die langfristige Entwicklung des atypischen Grenzgängerwesens wäre der Rückgang des Grenzgängerstroms aus Frankreich ins Saarland noch stärker ausgeprägt. Betrachtet man die Entwicklung seit dem absoluten Höchststand im Jahr 2000 bis zum Jahr 2019, so hat sich die Zahl der Einpendler aus Frankreich mit anderen Nationalitäten um 26,2% reduziert. Der Rückgang bei den atypischen Grenzgängern betrug nur 19,9%. Insgesamt lässt sich für diese Zeitspanne ein Rückgang von 24,6% verzeichnen.

Die Unterschiede in der Entwicklung zeigen sich besonders im Jahr 2008/2009: Denn während bei den Franzosen unter den Einpendlern der stärkste Rückgang von 6,1% verzeichnet wurde, gab es bei den atypischen Grenzgängern noch ein leichtes Plus von 0,3%. Allerdings kehrte sich dieser Trend seit 2011 um: die deutschen Einpendler werden seitdem weniger (-30,6%), zudem war der Rückgang relativ größer als bei den ausländischen Einpendlern (-10,9%). Der Anstieg im Jahr 2015 lässt sich auch allein auf Franzosen zurückführen: während deren Zahl um 403 stieg, nahm die Zahl der Deutschen um 215 ab. Der Rückgang um 4,3% bei den Einpendlern ins Saarland wurde 2019 überwiegend von atypischen Grenzgängern (-5,7% gegenüber -3,8% für die typischen Grenzgängern) verursacht.

Entwicklung der Grenzgänger aus Frankreich nach Nationalität

Im Saarland beschäftigte Grenzgänger aus Frankreich nach Nationalität 2009-2019 (jeweils zum 30.06.), Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

Berechnungen: IBA·OIE | Quelle: BA

Über die Hälfte der Franzosen an der Saar arbeitet im Regionalverband Saarbrücken

Die aus Frankreich einpendelnden Arbeitskräfte arbeiten überwiegend an Orten, an denen – neben Handel und wirtschaftsnahen Dienstleistungen – die Verarbeitende Industrie mit ihren Standorten der Metallverarbeitung bzw. der Automobil- und Zuliefererindustrie angesiedelt ist. So sind fast 60% der Grenzgänger im Regionalverband Saarbrücken, gut ein Fünftel im Kreis Saarlouis und 14% im Saarpfalz-Kreis beschäftigt. Auf die übrigen saarländischen Landkreise entfallen demgegenüber lediglich insgesamt 5% aller Einpendler aus Frankreich. Im Hinblick auf die Entwicklung der letzten acht Jahre ist zu erkennen, dass die Zahl der Grenzgänger in allen Landkreisen zurückgegangen ist: die Rückgänge sind im Kreis Saarlouis (wo Ford angesiedelt ist) mit -11,9% (ca. 500 Personen), im Saarpfalz-Kreis mit -13,4% (ca. 350 Personen) und in Merzig-Wadern mit -22,9% (ca. 150 Personen – der größte Arbeitgeber in diesem Kreis ist Villeroy&Boch, gefolgt von der Kohlpharma Vertriebs GmbH und SaarGummi) besonders deutlich. Die größte Anzahl an Arbeitsplätzen für Grenzgänger wurde im Regionalverband Saarbrücken abgebaut: gut -2.400 Arbeitsplätze (-20,4%).

Karte der im Saarland beschäftigten Grenzgänger aus Frankreich

Im Saarland beschäftigte Grenzgänger aus Frankreich nach Arbeitsort (Kreisebene) zum 30.06.2019 und Veränderung 2011-2019

Autor der Karte: GIS-GR / SIG-GR

Berechnungen: IBA·OIE | Quelle: BA