Französische Grenzgänger nach Wirtschaftssektoren

Strukturwandel der saarländischen Wirtschaft verstärkt Rückgang des französischen
Einpendlerstroms

Die Rückgänge der geringqualifizierten Einpendler sowie die unterschiedlichen Entwicklungen zwischen atypischen und typischen Grenzgängern bzw. deren Differenzen in den Qualifikationsstrukturen lassen sich über den Strukturwandel der saarländischen Wirtschaft erklären. Die von der Montanindustrie stark geprägte Wirtschaftsstruktur an der Saar verändert sich hin zu einer Wissens- und Informationsgesellschaft. Auch die lothringischen Einpendler spüren die Auswirkungen dieses Wandels. So kam es zu Arbeitsplatzverlusten im Bergbau, in der Stahlindustrie, in der metallverarbeitenden Industrie, in der keramischen Industrie etc. Das führte zwischen 2009 und 2019 zu einem Minus der Grenzgängerbeschäftigung im Bergbau und in den Energie- und Wasserindustrien um 46,6% (164 Personen; NACE B, D, E) und im verarbeitenden Gewerbe (NACE C) um 21,7% bzw. 1.888 Personen.

Dennoch bleibt das verarbeitende Gewerbe Hauptarbeitgeber für die Einpendler: 2019 arbeitete beinahe die Hälfte aller grenzüberschreitenden Arbeitskräfte in diesem Wirtschaftsabschnitt (42,0%) – im Vergleich zu der saarländischen Gesamtbeschäftigung (24,7%) ist die Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes für die Grenzgänger deutlich höher. Es folgen die Branchen ‚Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen‘ (15,3%) sowie ‚Handel und Reparatur von Kraftfahrzeugen‘ (13,6%). Der erstgenannte Bereich weist damit einen – im Vergleich zur Beschäftigung von Ansässigen – relativ hohen Anteil aus. Dies ist zum einem auf den hier erfassten Bereich der Leiharbeit zurückzuführen, zum anderen auf den Niedriglohnsektor. Hierzu zählt etwa der Reinigungsbereich, in dem viele Franzosen – und vor allem Französinnen – beschäftigt sind.

Betrachtet man die Grenzgänger deutscher und anderer Nationalität getrennt voneinander, ergeben sich für die typischen Grenzgänger die gleichen drei größten Branchen wie für die Grenzgänger insgesamt. Die atypischen Grenzgänger haben ein anders Profil: an erster Stelle steht zwar auch das Verarbeitende Gewerbe und an zweiter Stelle folgt ‚Handel und Reparatur von Kraftfahrzeugen‘, an dritter Stelle steht jedoch das Gesundheits- und Sozialwesen mit 580 Beschäftigten.

Grenzgänger vor allem in der Automobilbranche und der Leiharbeit beschäftigt

Ein Blick in die detaillierte Statistik zeigt, dass die für grenzüberschreitenden Arbeitskräfte wichtigste Wirtschaftsabteilung mit 12,6% die „Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen“ bleibt, trotz eines Rückgangs um 7,3% im Vergleich zum Vorjahr. An zweiter Stelle folgt die „Befristete Überlassung von Arbeitskräften“, 9,0% aller Grenzgänger sind Leiharbeiter. Über 1.000 Grenzpendler arbeiten in den Bereichen „Metallerzeugung und -bearbeitung“ und „Einzelhandel“; danach folgt der Großhandel mit knapp unter 1.000 Beschäftigten aus Frankreich. 2019 ist einer von zehn Grenzgängern aus Frankreich ein Leiharbeiter. Damit haben 14% der Leiharbeiter im Saarland ihren Wohnort in Frankreich, 96% von ihnen sind Franzosen. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet die Branche 2019 einen enormen Beschäftigungszuwachs von 17% bei den Grenzgängern.

Grenzgänger aus Frankreich im Wirtschaftszweig „Leiharbeit“

Im Saarland beschäftigte Grenzgänger aus Frankreich im Wirtschaftszweig „Leiharbeit“ 2009-2019

Berechnungen: IBA·OIE | Quelle: BA