Anstieg der Grenzgängerbeschäftigung, wenn auch schwächer als vor der Krise

Am 31. März 2019 zählte Luxemburg 197.000 Grenzgänger aus den angrenzenden Regionen, von denen die Hälfte (52%) aus Frankreich und jeweils ein Viertel (23,9%) aus Deutschland und Belgien kam. Damit gibt es immer noch einen Anstieg der Beschäftigten aus den umliegenden Regionen. Allerdings kann man die Entwicklung der Grenzgängerströme in zwei Phasen einteilen: eine vor der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 und eine danach. Vor allem vor 2009 entstanden im Großherzogtum mehr Arbeitsplätze, als mit ansässigen Arbeitskräften besetzt werden konnten. Nach der Krise gab es eine deutliche Verlangsamung des Beschäftigungswachstums bei den Grenzgängern. Einige Eckdaten spiegeln diese Zweiteilung wider: Die Wachstumsraten bei den Grenzgängerzahlen lagen 2007 bei 7,4%, 2008 erreichten sie sogar 8,3%. Seit dem Krisenjahr 2009 bis heute bewegt sich der Anstieg der Einpendler auf einem niedrigeren Niveau, nämlich zwischen +0,8% im Jahr 2010 und +5,0% im Jahr 2019. Auch der Anteil der Grenzgänger an der Gesamtbeschäftigung ist bis 2008 stetig gewachsen. Seit 2009 ist er dagegen nahezu konstant und liegt bei 45%. Ferner entfielen bis 2008 jährlich zwei Drittel der neu geschaffenen Stellen auf Grenzgänger. Im Jahr 2009 sank dieser Anteil auf knapp zwei Fünftel (39%), der Wert stieg dann zwischen Juni 2017 und Juni 2018, und zwischen Juni 2018 und Juni 2019 wieder an (41%).

Grenzgänger aus Deutschland und aus Belgien in vergleichbarer Anzahl

Bereits seit einigen Jahren zeichnet sich eine Konvergenz des Einpendlerstroms aus Belgien und Deutschland ab, die auf das rapide Anwachsen der Grenzgängerzahlen aus den deutschen Bundesländern zurückzuführen ist. Denn während im Jahr 2004 noch 7.000 mehr Belgier als Deutsche in Luxemburg arbeiteten, verringerte sich diese Differenz in den Folgejahren spürbar, so dass im Jahr 2015 ca. 240 mehr Grenzgänger aus den deutschen Bundesländern ins Großherzogtum einpendelten als aus dem benachbarten Belgien, bevor sich diese Situation wieder leicht umkehrte (2019 waren es nur einen 10 Personen Abstand zugunsten der Deutschen).

In Luxemburg beschäftigte Grenzgänger nach Herkunftsländern

Berechnungen: IBA·OIE | Quelle: IGSS

Beschäftigungsentwicklung von Grenzgängern und Ansässigen zwischen 2018 und 2019

Nach dem „tableau de bord“ des luxemburgischen Netzwerks RETEL zur Arbeitsmarktbeobachtung wurden zwischen Juni 2018 und Juni 2019 133.510 neue Stellen geschaffen. 20% davon wurden mit Luxemburgern besetzt, 39% mit luxemburgischen Einwohnern ausländischer Nationalität und 41% mit Grenzgängern. Dem standen 118.520 beendete Arbeitsverhältnisse gegenüber, bei denen die Verteilung vergleichbar war. Rechnet man allerdings die genaue Differenz aus, ergibt sich für die Luxemburger ein Zuwachs von nur 1.040 Beschäftigungsverhältnissen, während der bei den anderen beiden Gruppen bedeutend höher liegt: 6.520 für die ausländischen Einwohner Luxemburgs und 7.430 für die Grenzgänger.  Darunter entfallen 5.100 Stellen auf Franzosen, 1.290 und 1.040 Stellen auf Belgier bzw. Deutsche.

Entwicklung der Arbeitnehmerbeschäftigung in Luxembourg 2018-2019

Entwicklung der Arbeitnehmerbeschäftigung in Luxemburg nach Nationalität und Wohnort zwischen Juni 2018 und Juni 2019 (ohne Leiharbeiter)

Darstellung: IBA·OIE | Quelle: RETEL

Zahl der Grenzgänger in den letzten 30 Jahren gestiegen

Die Grenzgängerzahlen im Großherzogtum erhöhen sich seit den 1980er Jahren stetig. Denn nach der Erdölkrise zwischen 1973 und 1978 und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Montanindustrie zog das Beschäftigungswachstum aufgrund des Ausbaus des Dienstleistungssektors deutlich an. Im Jahr 1980 lag der Anteil der Grenzgänger an der Gesamtbeschäftigung noch bei 8%, zehn Jahre später belief er sich bereits auf 18% (1990). Ab 1986 setzte der Boom im Finanzsektor ein und die Belgier, die bis dahin die größte Gruppe der Grenzgänger in Luxemburg stellten, wurden 1987 von den Franzosen abgelöst. Diese Entwicklung bleibt dem Aufschwung unternehmensbezogener Dienstleistungen bei gleichzeitigem Rückgang verschiedener Industriezweige geschuldet, in denen belgische Grenzgänger stark vertreten waren. Außerdem drängten immer mehr Franzosen auf den luxemburgischen Arbeitsmarkt infolge von Entlassungswellen und Umbrüchen in den ehemaligen Hochburgen der Eisen- und Stahlindustrie an ihren Wohnorten. Der weitere Aufschwung und die damit verbundene Nachfrage nach qualifizierten Beschäftigten im Kredit- und Versicherungswesen, in den unternehmensnahen Dienstleistungen oder im Handel begünstigten in den Folgejahren die Entwicklung des Grenzgängerwesens.

Betrachtet man die Zahl der Arbeitnehmer (siehe Grafik unten) in der Entwicklung von 1975 bis 2019, so hat sich die Zahl aller in Luxemburg beschäftigten Arbeitnehmer in den letzten 40 Jahren verdreifacht. Während die Anzahl der in Luxemburg ansässigen Arbeitnehmer jedoch nur um das 1,8-fache wuchs, verzeichneten die Grenzgänger einen Anstieg um den Faktor 16. 1997 waren 64.300 Grenzgänger in Luxemburg beschäftigt, deren Anzahl in den letzten 20 Jahren um das Dreifache anstiegen ist. Zentrale Eckdaten dieser Entwicklung sind das Jahr 1995, in dem die Zahl der Grenzgänger erstmalig höher lag als die der beschäftigten ansässigen Ausländer, und das Jahr 2001, in dem erstmalig mehr Grenzgänger als Arbeitnehmer luxemburgischer Staatsbürgerschaft im Großherzogtum arbeiteten. Franzosen stellen bis heute die meisten Grenzgänger in Luxemburg, auch ihre Zahl hat sich seit 1991 mehr als vervierfacht. Die Einpendlerzahlen aus Belgien verdreifachten sich im selben Zeitraum, die Zahl aus Deutschland liegt heute fast 6-mal höher.

Beschäftigungsentwicklung in Luxemburg 1975-2019

Beschäftigungsentwicklung in Luxemburg (Arbeitnehmer in Tsd.) 1975-2019 (Jahresdurchschnitt)

* Zeitreihenbruch

Berechnungen: IBA·OIE | Quelle: STATEC