Beschäftigungsquote

Die Beschäftigungsquote ist ein Schlüsselindikator für arbeitsmarktbezogene Analysen und die Darstellung wirtschafts- und beschäftigungspolitischer Zusammenhänge auf europäischer Ebene.

Sie entspricht dem Anteil der Beschäftigten (Erwerbstätigen) an der Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren. In solcher Allgemeinheit bietet der Indikator keine Hinweise über das Arbeitsvolumen, das sich regional sehr unterschiedlich darstellen kann. Wenn die Beschäftigungsquote einen realistischen Aufschluss über die beschäftigungspolitische Lage der Großregion wiedergeben soll, muss beispielsweise der Anteil der Teilzeitarbeitsverhältnisse entsprechend berücksichtigt werden.

Steigerung der Beschäftigungsquote in der Großregion seit 2009

Die Gesamtbeschäftigungsquote in der Großregion lag im Jahr 2019 bei 72,1% und somit unter dem europäischen Durchschnitt von 73,0%. Die Ergebnisse fielen innerhalb des Kooperationsraums deutlich unterschiedlich aus: Zwischen der höchsten und der niedrigsten Beschäftigungsquote bestand eine Spanne von 15,9 Prozentpunkten. In den beiden deutschen Regionen sowie in Luxemburg bewegten sich die Beschäftigungsraten über dem großregionalen Durchschnitt. Klarer Spitzenreiter ist Rheinland-Pfalz mit einer Beschäftigungsquote von 80,0%. Das Saarland und Luxemburg nehmen mit jeweils 76,6% und 72,1% eine gute mittlere Position ein. Mit Anteilen von 68,2%, 67,3% bzw. 64,1% bewegen sich hingegen die Beschäftigungsquoten in Lothringen sowie in der DG Belgien und Wallonie deutlich unter dem europäischen wie großregionalen Durchschnitt.

Beschäftigungsquote insgesamt und nach Geschlecht 2019

Anteil der Erwerbstätigen im Alter von 20 bis 64 Jahren an der Bevölkerung dieser Altersgruppe in %

Berechnungen: IBA·OIE | Quellen: Eurostat – LFS, DG Belgien: Steunpunt Werk

Die Beschäftigungsquote in der Großregion hat sich im Zeitraum 2009-2019 um 4,1 Prozentpunkte erhöht und liegt seit 2015 leicht unter dem EU-28-Durchschnittswert, der in der Langzeitbetrachtung eine ähnliche Entwicklung erlebte (+4,4 Prozentpunkte). Zurückzuführen ist dieses positive Ergebnis der Großregion auf die Entwicklung in den deutschen Regionen (Saarland: +6,8 Pp; Rheinland-Pfalz +6,0 Pp). Es folgt die Veränderungsrate von Luxemburg, mit +3,0 Prozentpunkten.

Durch die positive Entwicklung der Beschäftigungsquote hat sich im Jahr 2019 die Lücke zum Europa-2020-Ziel (eine Beschäftigungsquote von 75%) auf 2,9 Prozentpunkte verringert. Für die EU-28 lag die Differenz bei 2,0 Prozentpunkten. Auf großregionaler wie europäischer Ebene sind also noch einige Anstrengungen zu unternehmen, um die Zielmarke für 2020 zu erreichen.

Entwicklung der Beschäftigungsquote insgesamt 2009-2019

Anteil der Erwerbstätigen im Alter von 20 bis 64 Jahren an der Bevölkerung dieser Altersgruppe in %

Berechnungen: IBA·OIE | Quellen: Eurostat – LFS, DG Belgien: Steunpunt Werk

Weite Spanne in der Beschäftigungsquote Jugendlicher innerhalb der Großregion

Obwohl – insbesondere seit der Wirtschafts- und Finanzkrise – auf europäischer Ebene immer wieder die Wichtigkeit betont wird, junge Menschen in Beschäftigung zu bringen, wurde im Rahmen der Europa-2020-Strategie keine Zielvorgabe für die Beschäftigungsquote von jungen Menschen formuliert. Diese lag in der Großregion im Jahr 2019 bei 33,9% und damit 0,9 Prozentpunkte unter dem europäischen Mittel (34,8%). Im interregionalen Vergleich sind große Unterschiede zwischen der niedrigsten und der höchsten Beschäftigungsquote festzustellen: Die Rate war in Rheinland-Pfalz (50,9%) und im Saarland (41,9%) mehr als doppelt so hoch wie in der Wallonie (18,9%). Luxemburg und Lothringen bewegten sich mit 28,2% bzw. 29,7% im Mittelfeld. Die Beschäftigungsquote für die DG Belgien liegt in 2018 mit 32,9% etwas unter der großregionalen Quote.

Für die zwischen den Teilregionen bestehenden Unterschiede bei der Beschäftigungsquote Jugendlicher lassen sich verschiedene Gründe anführen: Die insgesamt überdurchschnittlichen Quoten der beiden deutschen Regionen dürften strukturell bedingt sein und vor allem mit der traditionell hohen Bedeutung des Systems der dualen Berufsausbildung zusammenhängen. Auch in der DG Belgien erfreut sich die betriebliche Ausbildung einer großen Beliebtheit, was den enormen Unterschied in der Beschäftigungsquote junger Menschen zur Wallonie erklärt. Die niedrigen Werte in den französischsprachigen Teilgebieten der Großregion können auf Schwierigkeiten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, zurückzuführen oder durch die Verlängerung des Studiums bedingt sein. In der Altersgruppe 15-24 Jahre sind viele junge Leute nicht in Beschäftigung, da sie sich für einen schulischen oder hochschulischen Bildungsweg entschieden haben. Nach ihrem Abschluss werden sie dem Arbeitsmarkt dann (größtenteils) zur Verfügung stehen. Eine niedrige Beschäftigungsquote ist darum nicht unbedingt problematisch. Für eine Problemanalyse sind die Indikatoren der Jugendarbeitslosigkeit und vor allem die der NEET-Rate (Jugendliche, die sich nicht in Beschäftigung, Aus- oder Weiterbildung befinden) aussagekräftiger.

Jugend-Beschäftigungsquote insgesamt und nach Geschlecht 2019

Anteil der Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 24 Jahren an der Bevölkerung dieser Altersgruppe (in %, nach Geschlecht)

*DG Belgien : 2018

Berechnungen: IBA·OIE | Quellen: Eurostat – LFS, DG Belgien: Steunpunt Werk