Die Messung der Arbeitslosigkeit in der Großregion kann auf zwei verschiedene Arten analysiert werden: zum einen anhand der von EUROSTAT gelieferten und nach dem ILO-Konzept harmonisierten Daten, die einen internationalen Vergleich ermöglichen, und zum anderen anhand der Zahlen der Arbeitsagenturen der einzelnen Teilregionen der Großregion. Auf dieser Seite finden Sie eine Reihe von Indikatoren, die aus Daten von EUROSTAT stammen, wie z.B. die Arbeitslosenquote nach Alter und Geschlecht sowie die Langzeitarbeitslosigkeit. Die Daten der regionalen Arbeitsagenturen sind auf dieser Seite abrufbar.
Die im Rahmen der EU-Arbeitskräfteerhebung erfasste und nach dem ILO-Konzept harmonisierte Arbeitslosenquote betrug im Jahr 2024 in der Großregion 5,5 % und lag damit 0,4 Prozentpunkt unter dem europäischen Niveau von 5,9 Prozent. Hinter dem großregionalen Wert verbergen sich aber große Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen: Rheinland-Pfalz (3,1 %) und das Saarland (3,5 %) verzeichneten 2024 eine deutlich geringere Arbeitslosenquote als der Durchschnitt der Großregion, während der Arbeitsmarkt in der Wallonie und in Lothringen schlechter dastand (7,4 % bzw. 8,5 %).
Frauenarbeitslosigkeit in der Großregion niedriger als die der Männer
Im Jahr 2024 lag die Frauenarbeitslosigkeit in der Großregion mit einer Quote von 5,4 % leicht unterhalb derjenigen der Männer (6,0 %). Auf europäischer Ebene hingegen ist die Situation umgekehrt: Die Arbeitslosenquote der Frauen ist höher als die der Männer (6,2 % gegenüber 5,7 %). Innerhalb der Großregion sind im Saarland und in Lothringen nur geringe Unterschiede in der Höhe der Arbeitslosenquoten nach Geschlecht auszumachen (0,2 bzw. 0,3 Pp). In den anderen Teilregionen sind die Unterschiede mit fast 1 Prozentpunkt in Rheinland-Pfalz und Wallonien größer. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft beträgt der Unterschied 0,9 Prozentpunkte, diesmal jedoch zugunsten der Männer.
In den folgenden Absätzen finden Sie noch weitere Informationen zur Arbeitslosigkeit, darunter die Entwicklung der Arbeitslosigkeit, die Situation der Großregion gegenüber der EU sowie Daten zur Langzeitarbeitslosigkeit.
Die Entwicklung der Arbeitslosenquote im Zeitraum 2014 bis 2024 zeigt einen Rückgang der Arbeitslosigkeit in der Großregion um 2,4 Prozentpunkte. Zwischen 2014 und 2019 sinkt die Arbeitslosenquote um fast 3 Pp. Im Jahr 2020 wirkt sich die Gesundheitskrise stark auf den Arbeitsmarkt aus, was sich insbesondere durch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 6,0 % in den Jahren 2020 und 2021 bemerkbar macht. Ab 2022 sinkt die Arbeitslosenquote in der Großregion wieder und erreicht im Jahr 2024 5,5%.
Innerhalb des Kooperationsraums hat sich die Situation der Arbeitslosigkeit seit 2014 insgesamt verbessert: Lothringen (-3,3 Pp) und die Wallonie (-4,4 Pp) konnten im Betrachtungszeitraum den größten Rückgang verzeichnen. Im Vergleich dazu lag diese in der Großregion bei - 2,4 Pp. In diesem Zeitraum nahm die Arbeitslosigkeit nur in Luxemburg um 0,6 Prozentpunkt zu.
Zwischen 2014 und 2019 ging die Arbeitslosenquote in alle Teilregionen allmählich zurück. Zwischen 2019 und 2020 verzeichneten sie im Rahmen der Gesundheitskrise jedoch mehr oder weniger große Anstiege. In Lothringen und in Luxemburg ist der Zeitraum von 2020 bis 2022 durch eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit geprägt, bevor sie ab 2023 wieder ansteigen wird. In der Wallonie wird sich der Post-Covid-Rückgang bis 2024 fortsetzen. In den deutschen Teilregionen stagniert die Arbeitslosigkeit zwischen 2021 und 2024. Letztlich verzeichnet die deutschsprachige Gemeinschaft ab 2022 einen Anstieg der Arbeitslosigkeit.
Zwischen 2014 und 2024 gleichen sich die Rückgänge der Arbeitslosenquote von Frauen und Männern (-2,4 Prozentpunkte) an. Ähnlich ist die Situation auf EU-Ebene (EU-27): Der Rückgang beträgt für Frauen -4,9 Pp für Männer 5,0. Die in den Jahren 2020 und 2021 beobachteten Anstiege werden ab 2022 verringert. Der 2024 auf großregionaler Ebene beobachtete Abstand beträgt 0,7 Pp. Schließlich haben sich seit 2014 die Unterschiede zwischen den Arbeitslosenquoten von Männern und Frauen auf europäischer Ebene und auf der Ebene der Großregion weitgehend verringert.
Die Langzeitarbeitslosenquote ist ein Indikator für strukturelle Probleme des Arbeitsmarktes. Mit zunehmender Dauer von Arbeitslosigkeit gehen auch eine Vielzahl individueller Probleme einher: So haben von Langzeitarbeitslosigkeit betroffene Personen häufiger gesundheitliche und psychische Probleme, erfahren mit zunehmender Dauer ihrer Erwerbslosigkeit einen Ver-lust ihrer erworbenen Qualifikationen, beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen und sind durch materielle Verarmung zunehmend auch von sozialer und kultureller Isolation betroffen. Langzeitarbeitslosigkeit führt zu einer dauerhaften Abkopplung vom Erwerbsleben und wirft die Frage auf, wie die Beschäftigungsfähigkeit der Betroffenen aufrechterhalten werden kann, um die spätere berufliche Wiedereingliederung zu fördern. Die Betreuung der Langzeitarbeitslosen und die Berufsausbildung – einschließlich Aufrechterhaltung bzw. Ausweitung der Kompetenzen oder Umschulung – spielen eine wesentliche Rolle, damit die betroffenen Personen aus ihrer Isolierung herausfinden und wieder eine Beschäftigung aufnehmen (vgl. Schwerpunktthema IBA·OIE 2022).
Im Jahr 2024 waren in der Großregion 32,2 % der Arbeitslosen seit mehr als einem Jahr ohne Beschäftigung. Ihr Anteil an den Erwerbspersonen betrug 1,8%. Im europäischen Durchschnitt entspricht der Anteil der Langzeitarbeitslosen unter den Arbeitslosen dem Niveau der Großregion (32,2%) an und beträgt 1,9% der Erwerbspersonen.
Im Kooperationsraum gab es 2024 proportional die meisten Langzeitarbeitslosen in der deutschsprachigen Gemeinschaft: fast jeder zweite Arbeitslose (48,1%) waren davon betroffen. In die Wallonie ist die Situation ähnlich, mit 43,5 % der Arbeitslose, die seit mindestens einem Jahr nicht mehr arbeitet, sie machen 3,2 % der Erwerbspersonen aus. Rheinland-Pfalz, Lothringen und Luxemburg verzeichnen alle Werte unter dem großregionalen Durchschnitt. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an der Erwerbsbevölkerung variiert jedoch innerhalb dieser Regionen. In Lothringen beträgt dieser Anteil 2,2 %, in Luxemburg 1,6 % und in Rheinland-Pfalz 0,7 %.
Deutlicher Rückgang der Langzeitarbeitslosen unter den Arbeitslosen zwischen 2014 und 2024
Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen hat in der Großregion im Zeitraum 2014-2024 um 15,6 Prozentpunkte abgenommen. Der Rückgang auf der Ebene der EU-27 war mit -18,4 Pp. noch höher. Innerhalb der Teilregionen verzeichnete Lothringen mit -19,2 Pp. In Luxemburg ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen um 2,2 Prozentpunkte zurückgegangen. Dieser Anteil war jedoch im Jahr 2014 der geringste.
Methodischer Hinweis: Eine Änderung der Definition in der neuen Beschäftigungserhebung von INSEE (das französische statistische Amt) führt zu einem Rückgang der Zahl der Langzeitarbeitslosen. Ziel dieser Änderung ist es, die bisher verwendete Erhebungsmethode mit den Empfehlungen der ILO übereinzustimmen. So sind die ab 2021 erhobenen Daten genauer und mit den Daten anderer Länder vergleichbar, da die alte Methode dazu neigte, die Zahl der Langzeitarbeitslosen zu überschätzen. Weitere Informationen finden Sie hier:
https://www.insee.fr/fr/statistiques/5402123#titre-bloc-23 (12.11.2024)
Zwischen 2014 und 2024 war der Anteil der Langzeitarbeitslosen an den Erwerbspersonen in der Großregion rückläufig (-2,0 Pp); im Durchschnitt der EU-27 ist die Langzeitarbeitslosenquote in diesem Zeitraum günstig um 3,6 Prozentpunkt gefallen. Im Jahr 2014 war dieser Anteil jedoch höher als in der Großregion. Bis auf Luxemburg, wo die Quote der Langzeitarbeitslosen stagniert hat, ist diese Quote in allen Teilgebieten in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen. Den stärksten Rückgang verzeichnete die Wallonie mit -3,4 Pp.
Es ist wichtig, zu betonen, dass die Gesundheitskrise besonders starke Auswirkungen auf die Langzeitarbeitslosigkeit hatte. Wie im Schwerpunktthema „den Auswirkungen der Gesundheitskrise auf den Arbeitsmarkt in der Großregion“ ausführlich beschrieben, war die Langzeitarbeitslosigkeit besonders deutlich von der Gesundheitskrise, was vor allem auf eine deutliche Verlangsamung des Arbeitsmarktes infolge der Eindämmungsmaßnahmen und der Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit zurückzuführen ist. Diese Situation führte zu einem erheblichen Stillstand auf dem Arbeitsmarkt, was einen abrupten Anstieg der Zahl der Arbeitssuchenden zur Folge hatte.