Die Beschäftigungsquote ist ein Schlüsselindikator für arbeitsmarktbezogene Analysen und die Darstellung wirtschafts- und beschäftigungspolitischer Zusammenhänge auf europäischer Ebene.
Sie entspricht dem Anteil der Beschäftigten (Erwerbstätigen) an der Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren. In solcher Allgemeinheit bietet der Indikator keine Hinweise über das Arbeitsvolumen, das sich regional sehr unterschiedlich darstellen kann. Wenn die Beschäftigungsquote einen realistischen Aufschluss über die beschäftigungspolitische Lage der Großregion wiedergeben soll, muss beispielsweise der Anteil der Teilzeitarbeitsverhältnisse entsprechend berücksichtigt werden.
Nach den Daten der EU-Arbeitskräfteerhebung lag die Gesamtbeschäftigungsquote in der Großregion im Jahr 2024 bei 74,7 % und somit unter dem europäischen Durchschnitt von 75,8 %. Die Ergebnisse fielen innerhalb des Kooperationsraums deutlich unterschiedlich aus: Zwischen der höchsten und der niedrigsten Beschäftigungsquote bestand eine Spanne von 15,0 Prozentpunkten. In den beiden deutschen Regionen sowie in der deutschsprachigen Gemeinschaft (2023) bewegten sich die Beschäftigungsraten über dem großregionalen Durchschnitt. Luxemburg nimmt mit 74,8 % eine gute mittlere Position ein, wobei der Wert dem großregionalen Durchschnitt naheliegt. Hingegen bewegen sich die Beschäftigungsquoten von Lothringen sowie der Wallonie unter dem europäischen wie großregionalen Durchschnitt.

Anteil der Erwerbstätigen im Alter von 20 bis 64 Jahren an der Bevölkerung dieser Altersgruppe in %
Berechnungen: IBA·OIE | Quellen: Eurostat – LFS
Die Beschäftigungsquote in der Großregion hat sich im Zeitraum 2014-2024 um 4,8 Prozentpunkte erhöht und liegt seit 2018 leicht unter dem EU-27-Durchschnittswert, der allerdings in der Langzeitbetrachtung seit 2014 eine bessere Entwicklung erlebte (+7,7 Prozentpunkte). Zurückzuführen ist dieses positive Ergebnis der Großregion auf die Entwicklung in Lothringen: (+6,4 Pp) und in der Wallonie (+5,2 Pp). Im Vergleich zum Vorjahr sind unter den Teilregionen Aufstiege in der Wallonie, in Rheinland-Pfalz und in Lothringen zu beobachten, aber auch Rückgänge im Saarland (-0,6 Prozentpunkte) und in Luxemburg (-0,7 Prozentpunkte).
Hinsichtlich des im Rahmen des Aktionsplans der Europäischen Säule sozialer Rechte von der EU-Kommission festgelegten Ziels, bis 2030 eine Beschäftigungsquote von über 78 % zu erreichen, liegt die Großregion im Jahr 2024 3,3 Prozentpunkte unter diesem Ziel. Nach einem Rückgang im Jahr 2020 aufgrund der Gesundheitskrise durch das Coronavirus ist die großregionale Beschäftigungsquote jedes Jahr bis 2024 gestiegen.
In der Großregion lag die Beschäftigungsquote von Frauen im Jahr 2024 bei 70,7 % und damit 7,6 Prozentpunkte unter der der Männer (78,5 %). Auf europäischer Ebene, wo 70,8 % der Frauen erwerbstätig sind, liegt die Differenz zu den Männern noch einmal höher (10,0 Pp). Innerhalb der Großregion ist die Differenz zwischen den Geschlechtern in allen Teilgebieten erheblich: der „Gender Gap“ bewegt sich zwischen 9,0 Prozentpunkten im Saarland und 5,5 Prozentpunkten in Luxemburg. Der Aktionsplan der europäischen Säule sozialer Rechte legt keinen Zielwert für die Beschäftigungsquote von Frauen fest, sondern weist darauf hin, dass die Mitgliedstaaten die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Beschäftigungsquoten bis 2030 im Vergleich zum Jahr 2019 mindestens halbieren sollten. In der Großregion betrug der Unterschied zwischen Männern und Frauen im Jahr 2019 8,6 Prozentpunkte, so dass er im Jahr 2030 voraussichtlich 4,3 Prozentpunkte betragen wird, was einer weiteren Verringerung um 3,3 Prozentpunkte gegenüber dem Unterschied im Jahr 2024 entspricht.
Zwischen 2014 und 2024 hat die Differenz zwischen männlichen und weiblichen Beschäftigungsquoten von 2,7 Prozentpunkten gesunken (nur 1,6 Pp in der EU). Die großregionale Beschäftigungsquote der Frauen konnte im betrachteten Zeitraum um 6,0 Prozentpunkte zulegen. Der im Vergleich zu den Männern starke Anstieg der Beschäftigungsquote bei den Frauen spiegelt die wachsende aktive Beteiligung der Frauen am Erwerbsleben wider. Auch auf europäischer Ebene zeigen sich diese Entwicklungstrends, vor allem fiel der Anstieg bei den Frauen dort höher (+8,4 Pp) aus. Zurückzuführen ist die starke positive Entwicklung der Beschäftigung von Frauen in der Großregion in erster Linie auf Lothringen, wo die weiblichen Beschäftigungsquoten zwischen 2014 und 2024 stark angestiegen sind (Lothringen +8,3 Pp).
Im Rahmen der europäischen Säule sozialer Rechte gelten die Verbesserung der beruflichen Integration älterer Erwerbstätiger und die Förderung der Erwerbstätigkeit älterer Menschen als wesentlich für die Erreichung des neuen Ziels einer Beschäftigungsquote von 78 % in der EU bis 2030. Der Arbeit der Älteren kommt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und eines möglichen Fachkräftemangels infolge eines schrumpfenden Erwerbspersonenpotenzials eine höhere strategische Bedeutung zu. Die (Re-)Integration der 55- bis 64-Jährigen in das Beschäftigungssystem stellt eine der wesentlichen Herausforderungen der Arbeitsmarktpolitik dar. Ältere Arbeitskräfte können zudem für die Weitergabe von Wissen, Kompetenzen und Fachkenntnissen an die jüngeren Generationen sorgen.
Mit einer Beschäftigungsquote für ältere Erwerbstätige von 64,9 % lag die Großregion 2024 deutlich unter dem europäischen Mittelwert (65,2 %). Das großregionale Ergebnis wurde insbesondere von den hohen Beschäftigungsquoten Älterer in den beiden deutschen Bundesländern (69,7 % im Saarland und 76,3 % in Rheinland-Pfalz) getragen. Die gegrinste Beschäftigungsquote der Senioren verzeichnet Luxemburg (49,4 %).[1] Die Beschäftigungsquote älterer Menschen in Lothringen und in der Wallonie liegt ebenfalls weit unter dem großregionalen Durchschnitt (jeweils 56,9 und 55,0 %). Die Rentenreform, die 2023 in Frankreich in Kraft tritt und das gesetzliche Renteneintrittsalter auf 64 Jahre anhebt, scheint bereits dazu beizutragen, dass die Beschäftigungsquote älterer Menschen im Jahr 2024.
[1] Laut STATEC kann es (trotz Anreizen) eine gewisse Diskriminierung bei der Einstellung von Senioren geben, aber die Nichtbeschäftigung wird auch innerhalb von Haushalten mit ausreichenden Ressourcen gewählt. So könnten der materielle Wohlstand in Luxemburg und die Frühverrentung zu einem guten Teil die niedrige Beschäftigungsquote erklären. Vgl. STATEC (2021). RP 1er résultats 2021 N°14 "Les seniors au Luxembourg - Des profils socio-économiques singuliers, des enjeux majeurs pour le pays", 2024. Abgerufen am 15.10.2025 (https://statistiques.public.lu/fr/publications/series/rp-2021/2024/rp21-14-24.html).
Der Anstieg der großregionalen Beschäftigungsquote insgesamt seit 2014 ist - neben den Zuwächsen der Erwerbstätigkeit von Frauen - auf die zunehmende Beschäftigung Älterer zurückzuführen. Im Zeitraum 2014 bis 2024 hat sich die Beschäftigungsquote in der Altersgruppe 55 bis 64 Jahre in der Großregion um 13,6 Prozentpunkte gesteigert – eine Entwicklung, die allerdings wenig stark ausfällt als auf europäischer Ebene (EU-27: +14,7 Pp). Die Zuwächse seit 2014 fielen besonders hoch aus in der Wallonie und in Lothringen (+16,2 bzw. +14,1 Pp). Die anderen Teilregionen verzeichnen Entwicklungen unter dem großregionalen Wert. Die positiven Ergebnisse der deutschen Bundesländer dürfen allerdings nicht überinterpretiert werden, da in Deutschland die Zunahme der Beschäftigung Älterer zum Teil auch auf Entwicklungen in der Altersstruktur der Bevölkerung zurückzuführen ist – der demografische Wandel in Deutschland bringt relativ wenige nachrückende Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt, so dass die Älteren in Beschäftigung gehalten werden müssen. Zudem wirken sich die unterschiedlichen Gesetzgebungen zur Rente der jeweiligen Teilregionen auf die zu beobachtende Beschäftigungsquote aus, obwohl in den Mitgliedsländern eine Tendenz zur Homogenisierung zu beobachten ist, wobei das Renteneintrittsalter tendenziell steigt.
Unterschiede zwischen den Beschäftigungsquoten für ältere Erwerbstätige bestehen nicht nur zwischen den Regionen, sondern auch zwischen den Geschlechtern: Ältere Männer arbeiteten in der Großregion häufiger als Frauen. Die Differenz lag 2024 bei 6,5 Prozentpunkten und damit unterhalb des EU-Niveaus (12,0 Pp). Innerhalb der Großregion weist das Saarland, die größte Differenz aus (10,1 Pp). Danach folgen Luxemburg und Rheinland-Pfalz mit jeweils 8,0 bzw. 7,7 Prozentpunkten. Der kleinste Abstand zwischen ältere Männer und Frauen wurde in Lothringen verzeichnet (1,3 Pp).
…trotz eines stärkeren Anstiegs der weiblichen Beschäftigungsquote von Älteren
Im Jahr 2014 lag die geschlechtsspezifische Differenz in der Großregion noch bei 11,3 Prozentpunkten. Die Beschäftigungsquoten älterer Frauen und Männer haben sich im Zeitraum 2014-2024 also deutlich angenähert (um 4,8 Prozentpunkte). Zurückzuführen ist dies auf die stärkere Zunahme der Beschäftigung älterer Frauen in der Großregion (Frauen: +15,9 Pp, Männer: +11,1 Pp). Auf europäischer Ebene hat sich der Geschlechterunterschied auch deutlich reduziert (-1,6 Prozentpunkte). Die Beschäftigungsquoten sowohl der älteren Frauen (+15,4 Pp) als auch der älteren Männer (+13,8 Pp) sind stärker angestiegen als auf großregionaler Ebene.
Die Beschäftigungsquote der jungen Menschen lag in der Großregion im Jahr 2024 bei 36,0 % und damit 1,1 Prozentpunkte über dem europäischen Mittel (34,9 %). Im interregionalen Vergleich sind große Unterschiede zwischen der niedrigsten und der höchsten Beschäftigungsquote festzustellen: Die Rate war in Rheinland-Pfalz (54,2 %) und im Saarland (47,2 %) mehr als doppelt so hoch wie in der Wallonie (20,6 %). Zudem sinkt zwischen 2023 und 2024 die Beschäftigungsquote der jungen Menschen, deren Entwicklung zwischen 2020 und 2023 jährlich positiv war. Dieser Rückgang ist vor allem auf die Entwicklung der Beschäftigungsquote junger Menschen zurückzuführen (-6,3 Pp). [1][2]
Für die zwischen den Teilregionen bestehenden Unterschiede in der Beschäftigungsquote Jugendlicher lassen sich verschiedene Gründe anführen: Die insgesamt überdurchschnittlichen Quoten der beiden deutschen Regionen dürften strukturell bedingt sein und vor allem mit der traditionell hohen Bedeutung des Systems der dualen Berufsausbildung zusammenhängen. Die niedrigen Werte in den französischsprachigen Teilgebieten der Großregion können auf Schwierigkeiten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, zurückzuführen oder durch die Verlängerung des Studiums bedingt sein. Hier sind in der Altersgruppe 15-24 Jahre sind viele junge Leute nicht in Beschäftigung, da sie sich für einen schulischen oder hochschulischen Bildungsweg entschieden haben. Nach ihrem Abschluss werden sie dem Arbeitsmarkt dann (größtenteils) zur Verfügung stehen. Eine niedrige Beschäftigungsquote ist darum nicht unbedingt problematisch. Um ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt einzuschätzen, sind die Indikatoren der Jugendarbeitslosigkeit und vor allem die der NEET-Rate (Jugendliche, die sich nicht in Beschäftigung, Aus- oder Weiterbildung befinden) aussagekräftiger (als Ergänzung können Sie sich das Schwerpunktthema des WSAGR-Berichts 2023/2024 ansehen).
[1] In 8 der 13 Regionen Frankreichs ist ein Rückgang der Beschäftigungsquote junger Menschen zu beobachten. Auf französischer Ebene sinkt die Beschäftigungsquote zwischen 2023 und 2024 von 35,2 auf 34,6 pp. Diese negative Entwicklung könnte mit der Reform der Beihilfen für die duale Ausbildung zusammenhängen. Denn ab dem 1. Mai 2024 können bestimmte Arten dualer Ausbildung (sogenannte „contrats de professionnalisation“) nicht mehr von dieser Sonderbeihilfe profitieren. Somit betrifft diese Maßnahme nur noch die herkömmliche „contrats d’apprantisssage“.
[2] Das Dekret vom 27. April 2024, das am 29. April veröffentlicht wurde, schafft die Sonderbeihilfe von 6.000 Euro ab, die für die Einstellung von Jugendlichen mit einem bestimmten Ausbildungsvertrag (sogenannte „contrats de professionnalisation“) gewährt wird. Diese Abschaffung betrifft alle Ausbildungsverträge dieser Art, die nach dem 1. Mai 2024 abgeschlossen werden. https://www.iscod.fr/blog/alternance/suppression-de-l-aide-a-l-embauche-en-alternance-2024-05-06 (16.10.2025)