Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 mindestens 40% ihrer Bevölkerung zwischen 30 und 35 Jahren auf Hochschulniveau (ISCED 5-8) zu qualifizieren.

Die Autorengruppe Bildungsberichterstattung bezeichnet aus volkswirtschaftlicher Perspektive einen hohen Bildungsstand der Bevölkerung als einen wichtigen Wettbewerbsfaktor sowie als Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft. Es konnten über diese ökonomischen Vorteile von Bildung hinaus positive Effekte von Bildung bezüglich Gesundheit sowie gesellschaftlichem Engagement festgestellt werden.(Vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hg.): Bildung in Deutschland 2016, Bielefeld, S. 44)

Auch gibt es nationale Zielvorgaben:

Von den Ländern der Großregion orientiert sich Luxemburg an der Vorgabe für den EU-Durchschnitt, Frankreich will 50% in der Altersklasse 17 bis 33 Jahre erreichen, Belgien strebt 47% bei den 30- bis 34-Jährigen an und Deutschland hat sich hier 42% als Ziel gesetzt. Mit Blick auf die Bundesrepublik ist anzumerken, dass der nationale Zielwert zusätzlich postsekundäre nicht-tertiäre Abschlüsse (ISCED 4) berücksichtigt, um der besonderen Bedeutung des dualen Berufsbildungssystems zu entsprechen.

Im Jahr 2019 lag der Wert in der Großregion mit 38,5% noch fast 1,5 Prozentpunkte hinter der Zielvorgabe zurück und auch 3,1 Prozentpunkte hinter der EU-28-Quote von 41,6%.

Innerhalb der Großregion lag Luxemburg mit einer Quote von 56,2% klar an der Spitze. Zusammen mit der Wallonie (42,2%) haben diese beiden Teilregionen als einzige im Kooperationsraum das europäische Ziel schon erfüllt. Lothringen liegt in diesem Jahr immer noch ganz knapp unter dem europäischen Ziel (39,2%), auf nationaler Ebene ist das Ziel allerdings mehr als erreicht (Frankreich 47,5%). Die beiden deutschen Regionen wiesen mit 33,3% (Rheinland-Pfalz) und 30,0% (Saarland) die niedrigsten Werte aus. Sie liegen damit auch deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt Deutschlands (35,5%) und sind von dem nationalen Zielwert noch weit entfernt. Der vergleichsweise geringe Akademikeranteil in beiden deutschen Bundesländern ist vor dem Hintergrund der dort besonderen Bedeutung des Berufsbildungssystems mit den Lernorten Betrieb und Berufsschule zu sehen.[1] Dieses stellt einen weiteren attraktiven Bildungsweg unterhalb der Hochschulebene zur Verfügung (ISCED 4). Vergleichbare Abschlüsse werden in anderen Ländern häufig an Fachhochschulen oder Hochschulen erworben.[2] Dementsprechend hoch ist in den deutschen Regionen der Anteil der Bevölkerung mit einem Abschluss im mittleren Qualifikationssegment.

 

[1] Das deutsche Berufsausbildungssystem unterhalb der Hochschulebene differenziert sich in drei große Sektoren: das duale Ausbildungssystem aus betrieblicher und schulischer Unterweisung als quantitativ bedeutsamster Sektor, das Schulberufssystem mit seinem Schwerpunkt auf Ausbildung zu Dienstleistungsberufen und das Übergangssystem, das keine vollqualifizierende Ausbildung, sondern berufsvorbereitende Kompetenzen unterschiedlicher Art vermittelt (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hg.): Bildung in Deutschland 2012, Bielefeld, S. 102).

[2] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung: Anhang zur Pressemitteilung OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2012“, 2012, Berlin, S. 5

 

Bevölkerung nach Altersgruppen mit Tertiärabschluss 2019

Anteil der Bevölkerung im Alter von 30 bis 34 Jahren und 25 bis 64 Jahren mit Hochschulabschluss (ISCED 5-8) an der Bevölkerung im selben Alter, in %

Berechnungen: IBA·OIE | Quelle: Eurostat

Jüngeren Generationen häufiger mit Hochschulabschüssen

Vergleicht man nun die Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen mit der Altersgruppe der 25- bis 64-Jährigen, wird deutlich, dass die erstere Altersgruppe durchschnittlich höher qualifiziert sind. Generell lässt sich daraus schließen, dass das allgemeine Bildungsniveau der Bevölkerung steigt.

Im Großherzogtum und in Lothringen ist der Unterschied zwischen den zwei Altersgruppen am größten (9,2 bzw. 6,3 Prozentpunkte). In den deutschen Regionen spielt – wie schon zuvor beschrieben – die duale Berufsausbildung eine große Rolle, so dass die Unterschiede zwischen den Altersgruppen geringer ausfallen (5 Prozentpunkte im Saarland und 4,7 Punkte in Rheinland-Pfalz).