Von 1968 bis 2010: Ausweitung der tertiären Tätigkeiten anstatt Deindustrialisierung

Im Rückblick betrachtet ist die grenzüberschreitende Beschäftigung der Lothringer ein seit Langem bestehendes Phänomen, das bereits seit der französischen Volkszählung von 1968 deutlich zu beobachten ist. In dem genannten Jahr zählte man fast 7.000 Grenzgänger. Bis in die 1980er Jahre war Deutschland Ziel von zwei Dritteln dieser Grenzgänger, insbesondere aufgrund der Nähe der Produktionsstrukturen/-apparate, aber auch aufgrund der im Grenzgebiet herrschenden Mehrsprachigkeit und − ganz allgemein − der langjährigen gemeinsamen Geschichte.

Das Verarbeitende Gewerbe: Wichtigster Arbeitgeber der lothringischen Grenzgänger

Nach der Systematik der Wirtschaftszweige in 21 Abschnitten ist das Verarbeitende Gewerbe im Jahr 2019 mit 17,7% der Beschäftigten der wichtigste Arbeitgebersektor für lothringische Grenzgänger. Im Einzelnen sind es insbesondere die Metallurgie und die Herstellung von Metallprodukten, die die meisten Grenzgänger beschäftigen (29,9%). 

Es folgen die Gummi- und Kunststoffindustrie (15,6%), der Fahrzeugbau (15,5%) und die Lebensmittelindustrie (11,9%). Die Bereiche Handel und die Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen und Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen stellen 16,0 bzw. 10,4%. Auf die Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen und das Baugewerbe entfallen jeweils rund 9%.

In den fünf wichtigsten Sektoren arbeiten fast zwei von drei Grenzgängern (62,6%). Je nach Teilregion unterscheidet sich das Gewicht dieser fünf Sektoren erheblich: Sie stellen 79,6% der Arbeitsplätze in Rheinland-Pfalz dar, 71,7% im Saarland, 61,6% in Wallonien und 60,4% in Luxemburg. In den beiden letztgenannten Regionen stellt der Rückgriff auf Grenzgängerbeschäftigung in größerem Umfang ein neueres Phänomen dar als in den deutschen Ländern, und die betroffenen Wirtschaftszweige sind stärker auf den tertiären Sektor ausgerichtet.

Die Aufgliederung der Wirtschaftszweige nach Teilregionen zeigt unterschiedliche berufliche Profile:

  • Luxemburg hebt sich durch das Gewicht der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (12,2%) ab − ein Wirtschaftsbereich, der in den anderen Teilgebieten nicht als einer der Hauptarbeitgeber erscheint (unter 3%) − sowie durch das Gewicht der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (10,1%), einschließlich insbesondere der Tätigkeiten von Zeitarbeitsfirmen und Reinigungsunternehmen. Mit mehr als 10.322 Grenzgängern macht das Verarbeitende Gewerbe jedoch nur 12,7% aller Pendler aus.Im Zusammenhang mit diesen Wirtschaftszweigen gehören zu den wichtigsten Berufen bei den Grenzgängern Bank- und Versicherungsangestellte (4,1%), Buchhaltungsangestellte (3,6%), Führungskräfte in den Bereichen Verwaltungs-, Buchhaltungs- und Finanzdienstleistungen und Reinigungskräfte (3,3%). Es sei jedoch daran erinnert, dass die größte Besonderheit der grenzüberschreitenden Arbeit in Richtung Luxemburg im statistischen Sinne des Begriffs mit den Tätigkeiten der europäischen Institutionen verbunden ist (in der Tabelle als exterritoriale Tätigkeiten bezeichnet), obwohl es sich um ein kleines Beschäftigungsvolumen (564 Personen) handelt.
  • In Richtung Rheinland-Pfalz beschäftigt das Verarbeitende Gewerbe einen von zwei Grenzgängern (50,0%). In der Branche sind die Metallurgie und die Herstellung von Metall-produkten sowie der Maschinenbau am wichtigsten für die Beschäftigung (22,9% bzw. 29,5% der Beschäftigten). Auch der Handel und die Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen sind mit 18,9% der lothringischen Grenzgänger gut vertreten. Verkäufer ist auch einer der Hauptberufe (6,4%), gefolgt von den Facharbeitern in der Industrie (OQ) wie Metallzerspanern und Metallverformern (jeweils 4,3%), Facharbeitern im Maschinen-wesen (4,9%) und ungelernten Arbeitern in der Prozessindustrie (5,4%).
  • In Richtung Saarland ist ebenfalls das Verarbeitende Gewerbe mit 39,9% der Grenzgänger der Hauptarbeitgeber. Insbesondere der Fahrzeugbau beschäftigt Grenzgänger aus Lothringen (fast ein Drittel der Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe), was beispielsweise mit der Niederlassung von Ford in Saarlouis (Saarland) zusammenhängt. Auch der Handel und die Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen sind gut vertreten (18,4%). Die Hauptberufe sind somit Facharbeiter für Mechanik (6,2%), Facharbeiter in der Prozessindustrie (5,1%) oder Verkäufer (5,0%).
  • In der Wallonie beschäftigt das Verarbeitende Gewerbe 29,2% der lothringischen Grenz-gänger. Im Einzelnen machen die Aktivitäten der Holz-, Papier- und Druckindustrie sowie der Lebensmittel- und Getränkeindustrie (zurückzuführen auf die Niederlassung des Unternehmens Ferrero in Arlon) jeweils 30% der Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe aus. Die lothringischen Grenzgänger sind in diesem Bereich am häufigsten tätig als ungelernte Arbeiter und Facharbeiter in der Prozessindustrie (7,0% bzw. 7,5% der Beschäftigten) sowie als ungelernte Arbeiter im Bereich Lager und Transport (3,7%). Auch das Gesundheits- und Sozialwesen zählt mit 17,0% der beschäftigten Grenzgänger zu den wichtigsten Arbeitgebern; dieser Anteil ist zwei- bis dreimal so hoch wie bei den Grenzgängerströmen in die anderen Teilgebiete. Die Attraktivität des Gesundheitszentrums von Arlon erklärt, warum der Beruf des Krankenpflegers zu den am häufigsten ausgeübten Berufen zählt (5,5%).