Atypische Grenzgänger in der Großregion

Ein Phänomen, welches für die grenzüberschreitende Arbeitnehmermobilität immer stärker an Bedeutung gewinnt, sind die sogenannten ‚atypischen Grenzgänger‘. Als atypische Grenzgänger werden grenzüberschreitend mobile Arbeitskräfte bezeichnet, die ihren Wohnsitz aus einem Teilgebiet der Großregion in ein anderes verlagert haben, aber weiterhin in ihre ‚angestammte Region‘ an ihren Arbeitsplatz pendeln. Davon abgegrenzt werden die typischen Grenzgänger, die aus ihrer ‚angestammten‘ Region ins benachbarte Ausland pendeln. Diese Unterscheidung erweitert die Definition nach EU-Gemeinschaftsrecht hinsichtlich einer räumlichen Ausrichtung der Pendlerströme.

Bedeutungsgewinn der atypischen Pendlerbewegung

Die Betrachtung der atypischen Pendlerbewegungen auf Basis der aktuell verfügbaren – nach wie vor sehr lückenhaften – Daten[1] lässt erkennen, dass analog zum typischen Grenzgängerwesen Frankreich als Wohnland und Luxemburg sowie das Saarland als Arbeitsregionen eine besondere Rolle für die Mobilitätsdynamik spielen. Im Kerngebiet des Kooperationsraums hat sich das Phänomen des atypischen Grenzgängerwesens zahlenmäßig vor allem in den 1990er Jahren an der deutsch-französischen Grenze sowie in der vergangenen Dekade an der luxemburgischen Grenze ausgeweitet.

[1] Die Datenlage ermöglicht keine erschöpfende Aussage über die atypischen Grenzgänger in der Großregion. Die folgende von der IBA·OIE vorgenommene Zusammenstellung statistischer Daten und thematischer Informationen stützt sich auf verfügbare Angaben der zuständigen Ämter und wissenschaftliche Studienbefunde.

Atypische Grenzgänger in der Großregion 2019

* Statistische Geheimhaltung

Anzahl der atypischen Grenzgänger in der Großregion 2019

Zusammenstellung:  IBA·OIE | Quellen: IGSS / STATEC, BA

  • Die Zahl der Deutschen, die in Frankreich leben und im Saarland arbeiten, beträgt im Jahr 2019 insgesamt 4.429 Grenzgänger. Sie stellen 27,3% aller grenzüberschreitenden Arbeitnehmer aus Frankreich. Bis 2005 stiegt die Anzahl der atypischen Grenzgänger an und erreichte mit 6.670 Personen ihren Höhepunkt. Zwischen 2005 und 2019 hat sich ihre Zahl jedoch um 33,6% verringert. Dieser Rückgang war auch deutlich ausgeprägter als bei den Grenzgängern französischer Nationalität (-18,3% im gleichen Zeitraum). Vor allem in den Jahren 2014 und 2019 war der Unterschied mit einer Abnahme von rund 6 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr sehr deutlich. In Rheinland-Pfalz wurde 2009 mit 1.032 Personen die bisher höchste Anzahl atypischer Grenzgänger aus Frankreich registriert. Seitdem sind die Rückgänge auch hier deutlich ausgeprägter als bei den Einpendlern französischer Nationalität. Die derzeit insgesamt 710 atypischen Grenzgänger machen in Rheinland-Pfalz knapp 17% aller Einpendler aus Frankreich aus.
  • Im Großherzogtum machten die atypischen Einpendler im Jahr 2019 ca. 5% aller Luxemburg-Pendler aus. Demnach ist die Zahl der atypischen Grenzgänger luxemburgischer Nationalität mit 9.930 Personen noch relativ niedrig. Jedoch hat die Anzahl sich seit 1999 versechsfacht. 33% der atypischen Luxemburg-Einpendler wohnen in Deutschland, 35% in Belgien und 31% in Frankreich.