Entwicklung der Gesamtbevölkerung der Großregion

Ein deutlich schwächeres Bevölkerungswachstum als im Rest der EU-28

Mit 11,6 Millionen hatte die Großregion Anfang 2019 über eine Million oder 9,5% Einwohner mehr als noch 1970. Der Bevölkerungszuwachs in der Großregion fiel damit deutlich schwächer aus als auf dem Gebiet der heutigen EU-28, wo sich im gleichen Zeitraum die Einwohnerzahl um 16,7% erhöht hat.

Ausmaß und Zusammensetzung des Bevölkerungswachstums waren im Zeitverlauf und in den Regionen aber sehr unterschiedlich. Luxemburg, die Wallonie, die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgien und Rheinland-Pfalz verzeichnen Zunahmen, die lothringischen Einwohnerzahlen konnten sich ganz leicht erholen (+0,2%). Das Saarland, das zwischen 2016 und 2017 ein sehr leichtes Wachstum erfuhr, meldetet ab 2018 wieder einen Rückgang der Bevölkerungszahlen.

Von Beginn der 1970er Jahre bis 1987 war zunächst ein fast kontinuierlicher Rückgang der großregionalen Bevölkerung zu verzeichnen, der anschließend von einer Phase stetigen Bevölkerungswachstums abgelöst wurde. Dies gilt insbesondere für den Zeitraum bis 1997, in dem sich im Zuge der Ost-West-Wanderungen nach den Umbrüchen in Mittel- und Osteuropa die Bevölkerung der Großregion um rund 590.000 Menschen bzw. 5,6% erhöhte. Anfang 1994 überschritt die Einwohnerzahl im Kooperationsraum so auch erstmals die 11-Millionen-Grenze. Seitdem hat sich die demografische Entwicklung wieder deutlich verlangsamt. Zwischen 2000 und 2019 ist die Einwohnerzahl nur um 4% gewachsen (EU 28: +5,4%).

Bevölkerungsentwicklung der Großregion 1970-2019

Bevölkerungsentwicklung jeweils zum 1. Januar, 1970 = 100 (Veränderung in %)

Berechnungen: IBA·OIE | Quellen: Saarland, Rheinland-Pfalz: DESTATIS Bevölkerungsfortschreibung; ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, Lorraine: INSEE, Estimations de population (résultats provisoires arrêtés fin 2019); Luxembourg: Population calculée par le STATEC; Wallonie, DG Belgien: STATBEL Population résidente totale pour la Belgique et les régions belges.

Seit den 1970er Jahren werden im Kooperationsraum immer weniger Kinder geboren: Gab es 1970 noch mehr als 150.000 Geburten, so waren es 2000 lediglich rund 120.000. Zwischen 2013 und 2016 konnte der Rückgang des natürlichen Saldos leicht abgeschwächt werden, allerdings gingen die Geburtenzahlen bis 2018 wieder zurück auf rund 110.300. Seit 2002 übersteigt zudem die Zahl der Sterbefälle die der Geburten in der Großregion, so dass es seitdem zu einer natürlichen Abnahme der Bevölkerung kommt.

Im Jahr 2018 standen im Kooperationsraum 128.234 Sterbefällen insgesamt 110.313 Geburten gegenüber. Über den gesamten Zeitraum 2000 bis 2018 belief sich das Defizit des natürlichen Saldos auf 121 Personen je 10.000 Einwohner; zwischen 2017 und 2018 betrug das Minus 28 Personen je 10.000 Einwohner. Im Durchschnitt der 28 europäischen Mitgliedstaaten fiel die Bilanz dagegen in mittelfristiger Perspektive positiv (+83 Personen je 10.000 Einwohner) und in der kurzfristigen Betrachtung negativ aus (-10 Personen je 10.000 Einwohner, 2017-2018).

Weitaus stärker als durch Veränderungen in ihrer Gesamtzahl ist die Bevölkerungsentwicklung bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt durch Verschiebungen in der Altersstruktur gekennzeichnet.

Der Geburtenrückgang einerseits und die steigende Lebenserwartung andererseits führen europaweit zu einer dauerhaften Veränderung der Bevölkerungsstruktur in Richtung höherer Altersjahre. Dieser Alterungsprozess ist die eigentliche Herausforderung des demografischen Wandels: Einer stetig zunehmenden Zahl älterer Menschen stehen immer weniger Jüngere gegenüber. Dementsprechend verändern sich auch die Relationen zwischen Alt und Jung: So ist auf Ebene der Großregion der Anteil der unter 20-Jährigen zwischen 2000 und 2019 von 23,5% auf nunmehr 20,7% gefallen, während parallel die Altersgruppe der über 65-Jährigen von 16,6% auf 20,3% gestiegen ist. Der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre) hat sich aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge der Baby-Boom-Generation, die derzeit noch voll im Erwerbsleben steht, nur relativ geringfügig von 59,9% auf 59,0% verringert.